Kammermusikalisch beflügelt
Meisterwerke von Mozart und Schumann auf dem neuen Flügel interpretiert

   Friedberg. Zu einem wahrhaft beflügelten Konzert hatte der Förderkreis für Kirchenmusik der evangelischen Kirchengemeinde Friedberg am Sonntag in das Gemeindezentrum West eingeladen. Vor knapp einem Jahr hatte die Kirche im Austausch zur alten Orgel einen Kawai-Flügel bekommen. Mit dem Klavierquartett in g-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Klavierquintett Es-Dur von Robert Schumann entzückten ein Streichensemble und Rüdiger Klein am Flügel das Publikum.

Michael Hahn und Andrea Seeger, beide Violine, Hildegard Singer, Viola, und Ruth Sarazin, Cello, spielen in verschiedenen Besetzungen seit rund zehn Jahren zusammen. So war es möglich, sich in relativ kurzer Zeit zusammen mit dem Klavierpart auf diese beiden schwierigen Werke einzustimmen. Man spürte die Harmonie der Instrumente, erlebte die gemeinsam empfundene musikalische Intention, die   Ubereinstimmung von Dynamik und Gewicht. Der ausgewogene Klang verstärkte sich durch die Intimität und gute Akustik des Saals im Gemeindezentrum.

                              130210Kammerkonzert
Befügelt spielen (v.l.) Michael Hahn, Andrea Seeger, Rüdiger Klein (Klavier),
Hildegard Singer und Ruth Sarazin.    
(Foto: Meid)

Mozarts Klavierquartett fällt in eine seiner fruchtbarsten Schaffensperioden und wurde bald außerordentlich geschätzt. In den drei Sätzen Allegro, Andante und Rondeau stehen sich Licht und Schatten, Poesie und kindliche Spielfreude mozarttypisch gegenüber. Durch alle Instrumente hindureh variieren die Themen, lösen sich ab und finden wieder zusammen. Das einfühlsame Spiel wies durch klare Abgrenzungen und geschmeidige Übergänge darauf hin, dass das Klavier in beiden Werken als gleichwertiges Instrument im Themen- und Klanggefüge zu werten ist. Clara Schumann ist das viersätzige Klavierquintett in ES-Dur gewidmet. Schumanns Opus 44 gilt als erstes und vielleicht bedeutendstes Meisterwerk seiner Gattung. Das Cello fordert nach dem furiosen Einstieg einen satten kräftigen Ton. Leicht perlt das Klavier in den schnellen Passagen. Der zweite Satz, ein Trauermarsch, schwankt kontrastierend zwischen träumerischer Verklärung und dramatiseher Wut. Mühelos spielen sich die Instrumentalisten die Motive zu. Der dritte Satz wird von einem virtuosen Tonletermotiv dominiert, das von einem sanften und einem feurigen Trio unterbrochen wird. Wer Schumanns Kammermusik bisher nicht viel abgewinnen konnte, war nach diesem Konzert überzeugt von ihrem Reiz. Und das lag nicht zuletzt an den wunderbaren Interpreten. 
                                                                                                                                                                                                                                                     Hanna Meid


                                                                                                                                                                                               ( Wetterauer Zeitung vom 13. 2. 2013 )