Spuk im Schloss Canterville

Das Gespenst von Canterville lehrt Wetterauer Kindlern das Gruseln

Friedberg (anr). Im Jahre 1887 erschien in der Londoner Zeitschrift   »The Court and Society Review« als erstes erzählerisches Werk des irischen Schriftstellers Osear Wilde »Das Gespenst von Canterville«. Als Gesellschaftssatire beginnend, endet die Erzählung romantisch, fast sentimental. Unzählige Male verfilmt, vertont und als Theaterstück inszeniert, lud nun auch die evangelische Kirchengemeinde Friedberg zu einer Kinderoper nach der Novelle ein.

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Die Kinderchöre der evangelischen Kirehengemeinde spielen mit
professionellen Musikern für Groß und Klein.               (Foto: anr)

Die Luft in dem großen Saal des Albert-Stohr-Haus in Friedberg am vergangenen Sonntag ähnelte der eines alten Schlosses. Ein bisschen muffig und abgestanden. Ein generationsübergreifendes Publikum - von gerade geboren bis ins hohe Alter - hatte es sich bis auf den letzten Platz bequem gemacht und wartete gespannt auf die Präsentation des Gespensterklassikers, aufgeführt von den Friedberger Kin- derchören unter der Leitung des Kantors Ulrich Seeger. Der gebürtige Schwarzwälder lebt seit 1995 in der Wetterau. »Mich verschlug es aus beruflichen Gründen damals nach Friedberg«, erinnert sich der Kantor. Für sein musikalisches Engagement und Können wurde ihm im Jahre 2011 der Kulturpreis Wetterau verliehen. Die Kinderoper selbst komponierte sein Kollege und Freund Johannes Michel 1997 für seine Kinderchöre in Eberbach. Der heute in Mannheim lebende Kantor schrieb sein eigenes humorvolles Libretto nach dem berühmten Buch von Wilde und verband es mit klassischer Musik
eigens für Kinderohren. Versierte Musiker übernahmen am vergangenen Wochenende mit ihren Instrumenten Flöte, Klarinette, T'rompete, Posaune, Klavier, Geige und Schlagzeug diesen Teil und unterstützen damit die kleinen und größeren Schauspieler. Insgesamt 40 Kinder verschiedener Altersgruppen spielten und sangen  mit herrlicher Ernsthaftigkeit das Einstudierte. So fielen auch kleinere Unsicherheiten und Textpannen kaum auf. Fantasievolle Kostüme, gruselig geschminkte Gespenstergesichter, rasselnde Ketten, witzige Accessoires und Details rundeten das Bühnenbild fast gekonnt ab.

Seit Januar übten die Chöre das Stück, sangen, spielten, bastelten die Kulisse. Kantor Seeger schien am Ende der Aufführung stolz auf seine Künstler. »Wir versuchen jährlich zwei Produktionen   aufzuführen«, verriet er. Kinderopern, kirchliche Musicals - Musik von Kindern für Kinder.

Bleibt abzuwarten, was die Friedberger Kinderchöre in diesern Jahr noch zu bieten haben.

                                                                                                                                                                                    ( Wetterauer Zeitung vom 14. 3. 2013 )