Wenn morgen die Sintflut kommt

Kinder- und Jugendchor machen Oper zum einprägsamen Erlebnis

Friedberg.  »Nach uns die Sintflut!« Wie präsent dieser oberflächliche, alles abwälzende Ausspruch in unserem Alltag ist, zeigte auf eindrucksvolle Weise die gleichnamige Kinderoper von Johannes Michel. Kantor Ulrich Seeger führte sie zweimal in der Burgkirche mit den Friedberger Stadtstreichern und Stadtbläsern sowie den Maxis und der Jugendkantorei auf - ein ernstes Thema in kindgerechten Dialogen und beschwingten Song:s für Sprecher, Chor, Solisten und Instrumentalisten. Es war ein Genuss, die Kinder in ihren Rollen zu erleben und ließ Hoffnung keimen, dass sie den Stoff als Mahnung für ihr Leben verstehen.
Eine Arehe bauen? Auf Gott hören? Fantasterei, Überheblichkeit, aber auchVertrauen und Verantwortung für Mensch, Tier und die Umwelt: Das ist der Stoff der in der, Arche Noah verbaut ist. Die Kinderoper bleibt nicht in der alten biblischen Geschichte stehen, sondern greift über in eine Flut, wie sie von Donau und Elbe geläufig ist. »Wir haben doch schon die Dämme verstärkt. Machen sie keine Panik«, sagt die Bürgermeisterin. Drei kleine Buben in THW-Uniform pumpen Keller aus. Dabei kursieren dreiste Sprüche, während Noah und seine Familie die Arche für die Sintflut vorbereiten und die Tierpaare samt einern Klavier an Bord nehmen. Der Chor de:r Spötter mit seinem verachtenden  >Hahaha< ist deutlich zu hören. Dann setzt der Regen irn Geigenpizzikato ein. Die Bürgermeisterin erklärt: »Bevor wir untergehen, machen wir eine Pause.« Und die war notwendig, denn das Stück ist etwa 80 Minuten lang und forderte von den Kindern volle Konzentration und gute Stimmen. Zumal Seeger Johannes Michels sechssätzige >Musical-Messe< vorgesehaltet hatte.
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Mit viel Fantasie gestalten die Akteure die Kinderoper um die Arche Noah.
                                                                                                         ( Foto: hms)

Nach der Pause sind >die Leute< immer noch der Meinung »Wir haben alles fest im Griff« und tönen überheblich: »Nach uns die Sintflut.«  Für Noah und seine Familie ist es noch einmal gutgegangen. Sie stimmen ein Danklied an. Frisch, lebendig, spöttisch oder bewegend ist die Musik von Johannes Michel. Er malt mit den Instrumenten Stimmungen und Bilder: Der Vogel zwitschert mit der Flöte, die  Klarinette  mahnt und Gottes Wort wird gewaltig im Gong. Mächtig streichen Bass und Cello, als die Flut angekündigt wird, übermütig hüpfen Schlagwerk und Klavier. Die elf versierten Instrumentalisten geben dem jungen Chor die Sicherheit des Rhythmus und des Ausdrucks.


Mit wenigen Mitteln hat das Mitarbeiterteam der Kinderchorfreizeit Kostüme und Kulissen erstellt: ein paar Bretter für die Arche, ein Tuch als Tor, auf Plakate gemalte Tiere. Ein Kosmetikkoffer für Noahs eitle Schwiegertochter Sarah (Elisa Hahn), die in einem schönen Solo den Archebau als blinden Wahn bezeichnet und sicher ist, dass sie, wenn morgen dieWelt untergeht, heute noch beim Friseur wäre. Gottes Stimme kommt aus dem Off, gesprochen von Lucia Parbel. Und dann der alte gottesfürchtige Noah (Jakob Lange), der im zarten Sopran »Der Herr ist meine Zuversicht« singt. 30 Kinder und Jugendliche haben nicht nur sängerisch Hervorragendes gezeigt, sondern auch natürlich und überzeugend gespielt. Seeger hat sie mit Geduld und Einfühlungsvermögen dorthin geleitet, denn sowohl Aussprache als auch Intonation und Rhythmus waren bemerkenswert genau. Von Mikrofonangst keine Spur. Kein Wunder; dass der Applaus zu begeistetem Trampeln wurde und »Uli«-Rufe den Leiter auf die Bühne holten. Nachwuchs ist immer erwünscht. Wer mitmacherr will: Dienstags ist »Uli-Tag«.
                                                                                                                                                                                                                                  Hanna von Prosch

                                                                                                                                                                                                     ( Wetterauer Zeitung vom 25. 3. 2014 )