Reise ins Zauberreich
Kinderchor und Jugendkantorei singen sich mit Mozarts Oper in die Herzen der Zuhörer

 Friedberg (gk). »Der Vogelfänger bin ich ja«: Jakob Lange tritt beherzt an die Rampe und stellt sich, bunt gewandet, dem Publikurn vor. Sein Sopran tönt silberhell wie dasGlockenspiel, mit dem er - als Papageno -»ein Mädchen oder Weibchen« anlocken will. Wir erleben den Beginn von Mozarts Oper »Die Zauberflöte« - das meistgespielte Werk seiner Gattung. Aber diesmal nicht in einem ehrwürdigen Opernhaus. Das Ereignis geht in der Friedberger Burgkirche über die Bühne - gesungen und gespielt nicht von erwachsenen Profis, sondern vom Kinderchor und der Jugendkantorei der   evangelischen Kirchengemeinde Friedberg unter der Gesamtleitung von Kantor Ulrich Seeger. In den Herbstferien hat das Leitungsteam umSeeger die Oper einstudiert - in der Bearbeitung für Kinderchor, Solisten und Klavier zu vier Händen von Michael Bender aus Ravensburg. Entstanden ist eine wunderbare, fantasievolle, kurzweilige Reise ins Zauberreich der Mozart'schen Musik. Verblüfft erlebt der zunehmend faszinierte Hörer, auf welch' beachtlichem Niveau Mozarts Arien und Lieder von Kinderchor und jugendlichen Solisten dargeboten werden.

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Unter der Leitung von Kantor Ulrich Seeger führen Kinderchor und Jugendkantorei die »Zauberflöte« auf.
( Foto: Kollmer )

  Die Pianisten Georg Klemp und Rüdiger Klein, beides Dozenten an der hiesigen Musikschule, ersetzen mit ihrem kraftvollen vierhändigen Spiel mühelos ein garnzes Orchester und schaffen das solide Fundament, auf dem sich die hochmotivierten Kinder frei und selbstbewusst entfalten können. Philippa von der Schulenburg beeindruckt als Tamino gleieh in ihrem ersten Solo-Auftritt mit der Arie    »Dies   Bildnis ist bezaubernd schön«. Etwa vierzig junge und ganz junge Chormitglieder sind mit bunten Fantasiegewändern kostümiert - hinter ihnen, an der Rückwand, befindet sich ein großes Bild, auf dem eine gebirgige Landschaft mit Bäumen zu sehen ist, während ein Vogelkäfig von der Decke herabhängt. Es ist ein Gesamtkunstwerk, das hier zu bewundern ist - eine tolle  Gemeinschaftsleistung.

  Neben Philippa als Tamino und Jakob Lange als Papageno glänzen in weiteren Solorollen Charlotte Wulff als Pamina und Lydia  Gaukel als Papagena, die dem Vogelfänger zuerst als altes Weiblein verkleidet gegenübertritt. »Drei Knäbchen, jung und schön«: In der Burgkirche werden sie von Henrike Wulff, Ruth Saltzwedel und Katharina Haase verkörpert. Auch Sarrastro, hier in einer Sprechrolle, wird von einer jungen Dame namens Regina Kerssenbrock gespielt. Zahlreiche lustig anzusehende Tiere wie Papagei, Kuckuck, Ente und Eule sowie eine aus fünf Akteuren »zusammengesetzte« böse Schlange geben der Handlung ihr exotlsches Kolorit.Und Leonie Bansemer heimst mit der Arie »Bei Menschen, welche Liebe fühlen« großen Beifall ein.

  Kantor Ulrich Seeger leitet das bunte Geschehen so souverän und scheinbar beiläufig, dass der Eindruck entsteht, das Programm laufe wie von selbst ab. »Es ist das höchste der Gefühle.«  Ja, in derTat: Beglückt und in  Hochstimmung versetzt lauscht der Hörer den unsterblichen Melodien - gesungen von Kindermund.

  Und ist es übertrieben, am Ende einer mit langanhaltendem Applaus gefeierten Darbietung zu konstatieren, sie sei nicht minder eindrucksvoll und herzerwämiend als die originale »Zauberflöte« auf den Bühnen der ganzen Welt? Wohl kaum.


                                                                                                                                                         ( Wetterauer Zeitung vom 5. 11. 2013 )