Ein zarter Klangteppich
 Friedberger und Zwerenberger Vokalensemble singen Werke aus Romantik und Gegenwart

Friedberg. Erlesene Stimmen, ergreifende Musik: Dekanatskirchenmusiker Ulrich Seeger hatte mit der »Cantus Missa« und drei »Religiösen Gesängen« von Josef Gabriel Rheinberger sowie der »Missa pro defunctis« des Spaniers Javier Busto ein stimmungsvolles Herbstprogramm zusammengestellt. In dem intimen Klangraum des Chors der Stadtkirche zeichneten die 40 Stimmen des Zwerenberger und Friedberger Vokalensembles fein strukturierte Tongemälde, transparent und selbstbewusst. Die drei Gesänge für Bass und Orgel, klar und wortverständlich vorgetragen von Matthias Horn, durchdrangen den großen Kirchenraum wie ein Mysterium.

Danach versammelte sich das Publikum wieder im Chorraum, um sich der Einprägsamkeit des Requiems von Busto zu öffnen. Dieses Werk hatte Seeger beim Kirchentag 2007 erstmals gehört und war sicher, dass es auch die Friedberger Zuhörer begeistern würde. Keine Frage, die Kombination von wehmütig klagender Klarinette, einfühlsam gespielt von Bernhard Ernst, und schnörkellosen Solopassagen im Wechsel oder in der Ergänzung mit dem Chor, boten einen besonderen Reiz. Die Texte des klassischen Requiems mit einem ausgedehnten Offertorium, einem Responsorium, Antiphona und erweitert um einen volksliedähnlich komponierten japanischen Urtext aus dem Jahr 712 hat Busto wortmalend umgesetzt. Etliche A-cappella-Stellen stehen im Pianissimo, die der Chor ausgewogen   und samten nahm. Eindringlich erklingt das Kyrie im Wechselgesang, rhythmisch fordernd steigern sich Sanctus und »Dies illa, dies irae«. Eine flackernde Flamme malt die Klarinette beim »Lux aeterna« bevor die Sopranistin Eva Mensch mit heller klarer Stimme einfällt und der Chor sich als zarter Klangteppich unter die Bitte um ewige Ruhe legt. Die sicher tragenden, dezent modulierten Solostimmen gaben dem in Musik gewandelten Text eine demütige Zurückhaltung. Ulrich Seeger hatte das richtige Gespür, dieses Werk des Zeitgenossen seinem versiertenVokalensemble und einem anspruchsvollen Publikum anzubieten.

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Erlesene Stimmen: Das Friedberger und Zwerenberger Vokalensemble. ( Foto: hms)


Von dem aus Liechtenstein stammenden und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in München wirkenden Josef Gabriel Rheinberger ist vor allem das abschließende »Bleib bei uns, denn es will Abend werden« bekannt. Die doppelchörige Messe in Es-Dur, eigentlich ein Messgesang, hingegen ist beühmt und gefürchtet. Sie wurde damals als die schönste reine Vokalmesse bezeichnet und  war   Papst Leo XIII. gewidmet. Die Komposition baut, wiewohl kunstvoll kontrapunktisch gesetzt, auf akkordischem Fundament auf. Rheinberger wusste urn die suggestive Kraft des Klanges, die Seeger mit
seinem Vokalensemble in überzeugender Harmonie und liedhafter Stimmführung herausgearbeitet hat. Wenige prägnante Stellen kreuzen die langsamen fließenden Passagen, die Stimmen stehen im döppelchörigen Dialog zueinande:r.


Immer ist Durchsiehtigkeit gegeben, wodurch bei Einsatz und Abschlag aber auch Differenzen hörbar wurden. Hätte mann feierlich auskomponierte Wiederholungen etwa beim Credo oder Hosianna erwartet, so war die Musik nur zum Teil jubilierend, sie zog sich eher in die schlichte Anbetung zurück. Am Ende stand allein das Wort pacem, Frieden, im Raum. Das Werk hinterließ somit tatsächlieh den Eindruek eines romantischen Messgesangs, intensiv erlebt durch die stimmliche Qualität der Interpreten. Die drei Geistlichen Gesänge »Sehet, sehet, welche Liebe«, das selbstbewusst bekennende »Ich bin des Herm« und das wie ein kindliches Gebet formulierte
»Vaterunser« waren in der sympathisch weichen Stimme von Matthias Horn wohl aufgehoben. Der dankbare Applaus für eine  eindrucksvolle Abendmusik galt allen Mitwirkenden gleiehermaßen.
                                                                                                                                                                                                                       Hanna v. Prosch

                                                                                                                                                        
                                                                                                                                                                                         ( Wetterauer Zeitung vom 18. 10. 2014 )