L'Amore im alten Palazzo
 Zum 20-Jährigen: Friedberger Kinderoper führt »La Piccola Banda« auf

Friedberg. Mit »La Piccola Banda«, einer märchenhaften Geschichte aus einem verfallenen italienischen Palazzo, feierte Kantor Ulrich Seeger das 20-jährige Bestehen der Friedberger Kinderoper. Die rund 40 Kinder und Jugendlichen hatten das fast zweistündige Werk in einer Kinderchorfreizeit in den Herbstferien einstudiert. Mit großer Spielfreude und musikalischer Sicherheit machten sie in zwei Aufführungen den zahlreichen Besuchern und sich selbst ein herrliches Geburtstagsgeschenk. Begleitet wurden sie von den Friedberger Stadtstreichern und den Stadtbläsern.

  Wer vor Beginn die kleinen Mäuse hin- und herhuschen oder die jungen Damen mit weiß gepuderten Gesichtern und Perücken durch den Türspalt blicken sah, der ahnte schon, dass sich ihm bald eine gegensätzliche Welt auftun würde. Die Burgkirche diente bis zur Orgel hinauf als Kulisse, darin ein paar Quadratmeter Bühne, ein Geheimschrank, ein zerschlissenes Sofa, vier antike Statuen.

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Mit großer Spielfreude und musikalischer Sicherheit machen die Akteure der Kinderoper
den zahlreichen Besuchern und sich selbst ein herrliches Geburtstagsgeschenk.
   ( Foto: hms )
In »La Piccola Banda« -Text vonVeronika de Reh und Musik von Wolfgang König - geht es um das Mädchen Felicia (Katharina Wagner), das in seine Fantasiewelt eintaucht und das darin Erlebte als Geschichte aufschreibt. Sie lernt die Bewohner des Palazzo, die überhebliche Ratte Pippo und die verfressene Pallina kennen, die Katze G.G.S., die höfischen Festgäste mit der schillernden Figur des Piccolo Dottore und natürlich »La Piccola Banda«, eine Taschenräuber-Bande mit ihrem liebenswürdigen Anführer Massimo (Jakob Lange). Stehen sich die nächtlichen Hausbesetzer und die guten Geister der Vergangenheit zu Anfang noch feindlich gegenüber, so versöhnen sie Felicias sanftes Wesen und die abenteuerlichen Umstände bald miteinander. Am Ende schießt Amor seine Pfeile ab und die Liebesgeschichte von Felicia und Massimo nimmt ihren Lauf. Alles wird gut.

übertönten.Im Libretto wie in der Musik ergeben sich immer wieder Kontraste: Rap steht neben höfischen Tänzen, Glashafenklänge neben lautstarkem Skandieren der Taschendiebe, italienische Volkslieder wechseln mit Arien für jugendliche Stimmen, Wortdialoge mit gewaltigen Fanfarenklängen. Das Instrumentalensemble begleitete souverän, wenn die Bläser an manchen Stellen die jungen Stimmen auch Ulrich Seeger konzentrierte sich bei der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, die teilweise schon zehn Jahre und mehr in seinen Ensembles singen, nicht nur auf die musikalische  und gesanglich überaus bemerkenswerte Leistung, sondern regte auch zur schauspielerischen Interpretation an. Hinreißend spielten der trunksüchtige Höfling mit Augenklappe, von weiblicher Hand immer wieder gestützt. Einen Riesenspaß hatten alle, als es hieß »Staub aufwirbeln« und damit die Polizei vertreiben, um die Bande zu schützen. So liebenswert kess die Bandenmitglieder und so niedlich die Putten, so selbstbewusst präsentierten sich die vier männlichen leicht gewandeten Statuen. Man musste ihnen und allen anderen beim wohlverdienten langen Schlussapplaus beipflichten, als sie riefen:
»Wir waren gut!«
                                                                                                                                                                                                                                              Hanna von Prosch
                                                                                                                                                                                    ( Wetterauer Zeitung vom 20. 11. 2015 )