Mitreißend und inhaltsschwer
 Werke von Mozart und Haydn erklingen in der Stadt- und Heilig-geist-Kirche

Friedberg
(prs). Der November ist eine Zeit des Gedenkens an Leid und Tod in der Familie, in der Gemeinde, in der Welt.Und es ist eine Zeit, die besonders auf Trost, auf Hoffnung und Zuversicht angewiesen ist. Die Konzerte zum Ewigkeitssonntag in der katholischen Heilig-Geist-Kirche und in der evangelischen Stadtkirche Friedberg waren einerseits musikalischer und textlicher Ausdruck dieser unruhigen Seelenlage: Erschrecken, Zorn, Trauer, Schuldgefühle, Zweifel. Sie boten aber auch Antworten auf die Suche nach Leben und Zukunft: Schuldbekenntnis, Vergebung, Gerechtigkeit, Erwartung und Glaubensgewissheit. Im ersten Teil erklangen die »Versperae solennes de confessore« von Mozart, komponiert als großartige musikalisclie Ausgestaltung eines festlichen Abendgottesdienstes. Die Vesper schließt mit dem Magnifikat, Marias Lobgesang, der schon als tatsächliches Geschehen vorwegnimmt, was als Sehnsucht die Menschen bewegt: die Hoffnung auf den Umsturz ungerechter Verhältnisse, der Jubel über Gottes Verheißung und sein Erbarmen. Dramatische, zart-werbende, hoffnungsvolle, verinnerlichte und majestätische Passagen bilden hierbei eine abwechslungsreiche, aber in sich stimmige musikalische Verkündigung.

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Die Dekanatskantorei und die Junge Philharmonie geben ein Konzert zum Ewigkeitssonntag    ( Foto: Erbe )

Das Requiem in c-Moll von Johann Michael Haydn wurde 1771  als Totenmesse für den Salzburger Fürsterzbischof Sigismund von Schrattenbaeh komponiert. Johann Michael Haydn steht bis heute im Schatten seines älteren Bruders Joseph, war aber gleichwohl ein äußerst produktiver und anerkannter Komponist und Pädagoge. Dass das Requiem nur etwa 35 Minuten dauert, entsprach seinerzeit dem ngeduldigen Salzburger Stil. Haydn vertonte die längeren Passagen des kompletten Requiemtextes in kompakter Form und schaffte es dennoch, die aufwühlenden und die tröstenden Anfragen und
Botschaften als überzeugende Einheit von Text und Ton zu gestalten. Im traditionellen Requiemtext und seinen Vertonungen lassen sich Gedanken und Emotionen von erschreckender Aktualität entdecken: Suche nach Ruhe und Erlösung, der fantasierte Terror des plötzlich hereinbrechenden Gerichts, Gewissensbisse, Sehnsucht nach Gerechtigkeit und schließlich die christliche Hoffnung auf
Vergebung, Gnade und Erlösung.

Die Dekanatskantorei Friedberg unter der Leitung von Kontor Ulrich Seeger meisterte in beeindruckender und gekonnter Weise die ganze Bandbreite von dramatischen, bedrohlichen, feierlichen, vergeistigten und zartfühlenden Wendungen. Ausgewogen fügten sich die Stimmlagen des Chores zusammen und bildeten auch mit der routiniert auf historischen Instrumenten spielenden Jungen Philharmonie F'riedberg eine klangliche Einheit. Auch die Gesangssolisten ließen keine musikalischen Wünsche offen und waren in den Solo-, Duo- und Quartettpartien hervorragend aufeinander und auf den Chor abgestimmt: Die Sopranistin Jana Büchner, der Altus Matthias Lucht, der Tenor Joachim Buhrmann und der Bass Johannes Schendel. Auch wo sie nul· kurze Einwürfe zu singen hatten, glänzten sie durch stimmliche Präsenz und Präzision. Beide Werke boten vor allem der Sopranistin mit etwas längeren Passagen die Möglichkeit, ihre klare, eindringliche, aber auch einfühlsame Stimme in voller Bandbreite auszuleben. Nach einem langen ergriffenen Schweigen dankte das Publikum in der fast vollbesetzten Stadtkirche den Aufführenden für eine mitreißende und inhaltsschwere musikalische Botschaft.

                                                                                                                                                                                ( Wetterauer Zeitung vom 28. 11. 2015 )