»Ich will das Salz der Erde sein«
 Jugendkantorei setzt Martin Luther King ein musikalisches Denkmal

Friedberg
(gk). Er ist aus der Geschichte der USA ebenso wenig wegzudenken, wie Washington, Lincoln, Kennedy oder Barack Obama: Der im Frühjahr 1968 in Memphis ermordete Baptistenprediger Martin Luther King war seit Beginn der 1950er Jahre charismatischer Anführer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den Südstaaten der USA. Obwohl laut Verfassung gleichberechtigte Staatsbürger, werden den Schwarzen elementare Rechte verweigert. Im öffentlichen Leben herrscht strikte »Rassentrennung«. Vorbild Martin Luther Kings und seiner Anhänger ist Mahatma Gandhi - ebenfalls ermordeter Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die englischen Kolonialherren. »Civil disobedience« - Bürgerlicher Ungehorsam: Mit öffentlichen Kundgebungen,  (Sitz-)Streiks, Arbeitsniederlegungen und anderen Formen gewaltlosen Widerstands gelang es der Bürgerrechtsbewegung in den Südstaaten schließlich, Rassentrennung.und Diskriminierung - zumindest in der  Offentlichkeit - zu überwinden.

Ich habe einen Traum

Am Samstagnachmittag ging unter Leitung von Stadtkantor Ulrich Seeger in den  Räumen der freien evangelischen Gemeinde an der Pfingstweide ein szenisches Oratorium mit dem Titel »I have a dream« - Ich habe einen Traum über die Bühne (Musik und Texte stammen von Martin Ahrends und  Bernhard Opitz). Die über 40 Mitwirkenden waren Mädchen und Jungen der Jugendkantorei sowie die Friedberger Stadtstreicher und -bläser.

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Großartige Gemeinschaftsleistung:
»Vergeblich soll dein Tod nicht sein! Glory Halleluja«, singt die Jugendkantorei.
  ( Foto: gk )

Um es gleich vorwegzunehmen: In einer großartigen Gemeinsehaftsleistung wurde hier dem Vorkämpf!er für Freiheit und Menschenrecht ein musikalisches Denkmal gesetzt. Unter Einbeziehung einer Vielzahl von Auszügen aus Kings Reden folgte die Aufführung dem Weg des Predigers seit Mitte der 50er Jahre bis zu seiner Ermordung. Neben der öffentlich-politischen Ebene wurde die private Dimension des Konflikts nicht ausgespart. »Whites only« - »blacks only«: Die zweigeteilte Bühne spiegelte die Rassentrennung auf einfache aber umso eindrucksvollere Weise wider. Zwei Familien repräsentieren die »Lager« von weiß und schwarz. Konträre Meinungen für und gegen Gewalt prallen aufeinander. In einer weißen Milchbar werden schwarze Gäste abgewiesen. Weiß maskierte Gestalten stehen für die wachsende Bedrohung Kings durch seine millitanten Gegner.

Bewegende Darstellung

All dies wird auf bewegende Weise im gesungenen Wort vermittelt. Martin Luther King selbst (verkörpert von Jakob Lange) tritt immer wieder mit Reden auf, während seine Frau Coretta (Jannika   Klöppel) um sein Leben bangt.
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Das zwölfköpfige Instrumentalistenteam von Sabine Dreier, Flöte bis zu Marc-André Schamp am Drumset begeistert mit seiner Präsentation der schwungvollen Rhythmen - ein Crossover von Jazz, Swing, Rag bis zu Gospel und Spirituals. Trotz des schlimmen Endes von King geht hier kein Requiem über die Bühne: »Vergeblich soll dein Tod nicht sein! Glory Halleluja. Wer dich erschlug, der ist   allein.« Das weiche Wasser bricht den Stein: Seeger und sein hoch motiviertes Team haben diese Botschaft professionell und g:laubwürdig vermittelt. Dafür schlug ihnen minutenlanger Beifall entgegen.

                                                                                                                                                                                ( Wetterauer Zeitung vom 10. 11. 2016 )