Friedberger Sommerkonzerte 2014
 
En Quatuor, Kammermusik für vier Solisten
WZ vom 8. 8. 2014
Von Buxtehude bis Bornefeld
WZ vom 20. 8. 2014
Barockensemble Cantate Domino
WZ vom 27. 8. 2014

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Auf historischen Instrumenten
 Barockensemble »La Tirata« spielt in der Stadtkirche herausragende Kammermusik

Friedberg  (gk}. Dcr Weg von der Triosonate zum Quartett war lang. Die Zuhörer im Chorraum der Stadtkirche erhielten während der Sommerkonzertreihe der evangelischen Kirchengemeinde die Möglichkeit, ihn ein Stück weit mitzugehen. Begleitet beziehungsweise geleitet wurden sie dabei vom Ensemble »La Tirata«, das sich vor allem mit der Aufführung französischer Musik des Baockzeitalters  einen Namen gemacht hat.  »La Tirata« - der Name ist Progrämm. Man versteht darunter eine schnelle Tonfolge, bei der »die Stimme mit Macht herauf oder herab sehießt«, wie es der barocke Musiktheoretiker Johahn Mattheson anschaulich nannte.

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Solistische Brillanz und diszipliniertes Zusammenspiel vereint das Ensemble »La Tirata« bei seinem Konzert  ( Foto: gk)

Die vier seit 2009 gemeinsam konzertierenden Musiker (Leonard Schelb, Traversflöte; Swantje Hoffmann, Barockvioline; Renate Mundi,Viola da Gamba und Manuel Dahme am Cembalo) verstehen sich als Vermittler barocker Kammermusik auf historischen Instrumenten.

Johann Chr. Schickhardt war Zeitgenosse Bachs und wirkte unter anderem als Flötist oder Oboist an der Hamburger Oper am Gänsemarkt. Die meisten seiner kammermusikalischen Werke sind der Altblockflöte gewidmet. Sein Blockflötenkonzert g-Moll mit dem bezeichnenden Titel »L'Alphabète de la musique« enthält Passagen in sämtlichen Tonarten. »La Tirata« brachte von ihm zwei Sonaten in d-Moll und g-Moll für die oben genannten Instrumente zu Gehör. Der zweifache Wechsel von Adagio und Vivace verleiht der g-Moll-Sonate eine spannungsgeladene Dynamik.Violine und Flöte treten in einen kontrastreichen Dialog, vermittelt von der siebensaitigenViola da Gamba. Leonard Schelb schöpft das musikalische Potenzial seiner Traversflöte mit ihrem weichen, leisen aber nichtsdestotrotz   leidenschaftlichen Klang durch virtuoses Spiel voll aus. Man braucht nicht allzu lang, um sich von dieser Musik faszinieren zu lassen.

Swantje Hoffmanns energischesViolinspiel bildet den ebenbürtigen Widerpart zur Flöte. Hier kommen wirklich Solisten zusammen, die sich nicht überbieten, sondern ergänzen wollen. Die barocke Viola da Gamba, auch »Kniegeige« genannt, zeichnet sich durch sonoren, etwas weicheren Klang, als das aus ihr hervorgegangene Violoncello aus. Renate Mundi als Gambistin übernimmt in der Regel den Part der »Vermittlerin
« zwischenVioline und Flöte, während Manuel Dahme am Cembalo den ruhenden Pol des Basso continuo bildet.
 
Ist Schickhardt noch der Triosonate verpflichtet, so markieren Georg Ph. Telemanns sog. »Pariser Quartette« einen großen Schritt hin zum modernen Quartett. Aus Telemanns 1737/8 in Paris entstandenen, suitenartig angelegten »Sechs neuen Quartetten« brachte »La T'irata« das dritte in G-Dur und das fünfte in A-Dur zu Gehör. Besonders Letzteres riss die Zuhörer am Ende des Konzerts in
der Stadtkirche zu lang anhaltendem Beifall hin. Diese Quartette mit der ungewöhnlichen Besetzung für drei Soloinstrumente (Violine, Gambe, Flöte) und Basso continuo gelten als herausragende kammermusikalische Kompositionen ihrer Zeit und erfreuten sich auch im traditionsverhafteten Frankreich schnell großer Beliebtheit. Den vier jungen Musikern ist das Kunststück gelungen, solistische
Brillanz und diszipliniertes Zusammenspiel in Einklang zu bringen. Heftiger Applaus belohnte sie für diese Leistung.

                                                                                                                                                         ( Wetterauer Zeitung vom 8. 8. 2014 )

                                                                                                                                                                                                   ( Seitenanfang )



Von Buxtehude bis Bornefeld
 Thomas Wilhelm interpretiert Orgelwerke aus vier Jahrhunderten virtuos

Friedberg  (gk). Wieder einmal ist es Thomas Wilhelm, Organist an der St.-Nikolaus-Kirche in Bad Vilbel, gelungen, die Herzen der Zuhörer in der Friedberger Stadtkirche zu erreichen. Am Sonntagabend spielte der Orgelsachverständige der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau im Rahmen der von Stadtkantor Ulrich Seeger organisierten Friedberger Sommerkonzerte Werke aus vier Jahrhunderten.

Den Auftakt bildete Dietrich Buxtehudes Praeludium in D-Dur. Dieses Werk, das bereits auf den zwei Generationen jüngeren Johann Sebastian Bach vorausweist, nimmt nach verhaltenem Beginn     stufenweise an Dramatik zu, um in einem brillanten toccata-ähnlichen Finale zu enden, an dem Manuale und Pedal gleichen Anteil haben.

Buxtehudes Praeludium changiert zwischen freier Form am Beginn und strenger Gebundenheit am triumphalen Ende. Der Organist wies in seinen einführenden Worten auf die erwähnte Nähe des angjährigen Organisten an St. Marien in Lübeck zu Bach hin und stellte dessen Praeludium und Fuge - ebenfalls in D-Dur - ans Ende seiner fast zweistündigen Darbietung.


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Beeindruckt die Zuhörer in der Stadtkirche: Kirchenorganist Thomas Wilhelm.  ( Foto: gk)

Lautmalerische Perfektion
Fürwahr ein frühes Meisterwerk Bachs, das in Wilhelms nuancierter Interpretation, beginnend mit den virtuosen Pedalvorläufen, seinen Klangreichtum voll entfalten konnte. Diese Musik ist an zeitloser  »Modernität« kaum überbietbar. Sie macht den Hörer nicht klein, sondern erhebt ihn auf wunderbare Weise.
 
Eingebettet zwischen Buxtehude und Bach erklangen unter anderem zwei Werke aus dem vergangenen Jahrhundert. Helmut Bornefeld wirkte, nur unterbrochen durch die Kriegsjahre, von 1937 bis 1971 als Kantor an der evangelischen Pauluskirche im württembergischen Heidenheim an der Brenz. Für seine Verdienste um die protestantische Kirchenmusik erhielt er neben zahlreichen Auszeichnungen     auch das Bundesverdienstkreuz. Seine von Thomas Wilhelm vorgestellte Fantasie »Komm, Gott Schöpfer, Hl. Geist!« aus der seehsten Choralpartita entstand in. den Jahren 1951 bis 1953 und variiert Motive aus dem mittelalterlichen Hymnus »Veni creator spiritus!«.

Die formale Modernität dieses Werks, beispielsweise seine Atonalität, trägt bewusst archaische, an mittelalterliche Klangwelten erinnernde Züge. Auch diese Komposition weist eine ungeheure Dynamik und Intensität auf. Olivier Messiaens 1949/50 entstandene »Pfingstmesse« legt eindrucksvoll Zeugnis von der Singularität des bedeutendsten französischen Orgelkomponisten des 20. Jahhunderts ab. Aus dem umfangreichen, von tief innerer Gläubigkeit geprägten Werk brachte Wilhelm den vierten (»Die Vögel und die Quellen«) und fünften Satz (»Das Wehen  des Hl. Geistes«) zu Gehör. »All ihrVögel am
Himmel, preist den Herrn!
«, so heißt es im »Gesang der drei Jünglinge« im dritten Kapitel des Buchs Daniel. Dieser vierte Satz der Pfingstmesse bietet dem Ornithologen Messiaen Gelegenheit, zahlreiche Vogelstimmen in lautmalerischer Perfektion erklingen zu lassen. Welches Instrument wäre dafür besser geeignet als die Orgel! Das jubilierende vielstimmige Lob der göttlichen Schöpfung atmet deutlich   franziskanischen Geist. Das Wehen des Heiligen Geistes als Kern des pfingstlichen Gesehehens: Messiaen zieht im fünften Satz der Messe alle Register seiner Tonkunst, um den Einbruch des Göttlichen
in die Welt hörbar, erlebbar zu machen. Thomas Wilhelm erhielt für seine Interpretation der beiden so kontrastreichen Sätze starken Applaus vor der Pause.

Spätromantische Melancholie
August Gottfried Ritter (geb. 1811) und Josef Rheinberger (geb. 1839) standen neben dem bereits erwähnten abschließenden Werk von Bach im zweiten Teil des Konzerts auf dem Programm. Ritters 3. Sonate in a-Moll weist nicht die gleiche Dramatik auf, wie die Werke der vier vorgenannten Komponisten - was ihrer Brillanz, vor allem im letzten Satz, allerdings keinen Abbruch tat. Auch hier gelang es dem Organisten, die Höhen und Tiefen dieses Werkes auszuloten. Josef Rheinberger zählt neben Bruckner zu den bedeutenden Orgelkomponisten der zweiten Hälfte des.19. Jahrhunderts. Seine »Klage« und der  »Abendfriede« aus den
»Zwölf Charakterstücken« atmen den Geist spätromantischer Melancholie und Traumverlorenheit. Heftiger Applaus belohnte bei Anbruch der Dunkelheit einen Interpreten, dessen Konzert sich durch intelligente Auswahl motivähnlicher Stücke und meisterhafte Beherrschung seines Instruments auszeichnete.
                                                                                                                      

                                                                                                                                                         ( Wetterauer Zeitung vom 20. 8. 2014 )

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Vergessene Meister ihrer Zeit
 »Cantate Domino« spielt Musik aus Früh- und Spätbarock - Einnahmen für Restaurierung der Orgel

Friedberg  (saf). Das Barockensemble »Cantate Domino« spielte in der Reihe der Sommerkonzerte in der evangelischen Kirche. Unter der Leitung von Ulrich Seeger spannten die Musiker durch die Auswahl geistlicher Konzerte einen Bogen vom Frühbarock (Heinrich Schütz) über dessen Meisterschüler David Pohle als Vertreter des Hochbarocks bis zum Spätbarock (Johann Philipp Krieger).

Mitwirkende des Ensembles waren die Gesangssolisten Ulrich Seeger (Tenor) und Matthias Lucht (Altus), Andrea Seeger und F'riedemann Kienzle an den Barockviolinen, Christoph Anselm Noll an Orgel und Cembalo, sowie Barbara Noeldeke, die am Barockcello ausdrucksvoll die Oberstimmen führte.

Heinrich Schütz führte, am Anfang des 17. Jahrhunderts den ursprünglich aus Italien  stammenden, konzertierenden Stil mit obligaten Generalbass in Deutschland ein und  vereinigte ihn mit der deutschen Bibelprosa. Er gilt als Meister der Übersetzung der Psalmen in Musik.

Mit der durch Ulrich Seeger eindrücklich  vorgetragenen Psalmvertonung »Cantabo domino in vita mea« stand deshalb ein Werk  aus der Feder von Schütz am Anfang des Kammerkonzerts. Im Programm folgte der mit Freude durch Matthias Lucht vorgetragene Psalm 34 »Ich will den Herrn loben allezeit« von Krieger. David Pohle hebt sich im Vergleich zu diesen beiden Komponisten durch mystische Expressivität aus, die in den  dargebotenen Werken »Paratum cor meum«, »Jesu chare« und »Wie der Hirsch schreyet nach frischen Wasser« sinnlich zum Ausdruck kam.

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Eindrucksvoll vertonen die Musiker den Psalm »Cantabo domino in vita mea« aus der Feder von Heinrich Schütz.  ( Foto: saf)

Doch nieht nur der künstlerische Stil und das musikalische Schaffen verbinden die drei Komponisten und Meister ihrer Zeit, die für lange Zeit in Vergessenheit geraten waren.Viele Werke sind verloren gegangen, darunter alle weltlichen Werke von Schütz. David Pohle zählt zu den bedeutendsten Musikern aus dem Dresdner Schülerkreis um  Heinrich Schütz, der zu dieser Zeit die Leitung der Dresdner  Hofkapelle innehatte. Pohle wurde 1661 zum fürstlichen Kapellmeister in Halle an der Saale ernannt. Knapp 20 Jahre später übernahm Krieger seine Stelle, nachdem er bereits einige Jahre unter dem musikalischen Einfluss Pohles stand. Somit wurde die durch Heinrich Schütz geprägte musikalische Tradition an den mitteldeutschen Fürstenhöfen in dritter Generation fortgesetzt.

Etwa 60 Feunde geistlicher Musik folgten der Einladung zum Sommerkonzert und genossen in der hervorragenden Akustik des gotischen Chorraums der Stadtkirche die durch das Barockensemble »Cantate Domino« ausdrucksvoll dargebotenen Werke. Der Erlös aus den Einnahmen des Abends kommt der anstehenden Restaurierung der Orgel zugute.
                                                                                                                     

                                                                                                                                                         ( Wetterauer Zeitung vom 27. 8. 2014 )

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